Bild des Monats - Geschichtswerkstatt Horn

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Bild des Monats

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Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen im ständigen Wechsel einen Neuzugang in unserem Archiv
und informieren Sie über Hintergründe und Details zum Bild.

Sonderausgabe März/April 2021
Rundbunker am Bauerberg

Aus aktuellem Anlass haben wir für die Monate März/April 2021 keinen "Neuzugang" ausgewählt, sondern informieren Sie ausführlich über den Rundbunker am Bauerberg. Um Platz für ein Mehrfamilienhaus zu machen, begannen am 5. Januar die Abbrucharbeiten des 80 Jahre alten Bauwerks. Unser ausführlicher Artikel zur Geschichte des Bunkers erschien zwar am 16. Januar im Hamburger Wochenblatt, aber offensichtlich fand in weiten Teilen des Stadtteils keine Verteilung statt. Darum veröffentlichen wir den Artikel hier noch einmal zusammen mit umfangreicheren Bildmaterial.



Kaum ein Ereignis beschäftigt alte Horner derzeit so, wie der Abriss des Rundbunkers am Bauerberg. Noch nie hatten wir so viele Anrufe und Mails – "… haben Sie schon mitbekommen: Der Bunker wird abgerissen!" Und auch am Bauzaun kam es immer wieder zu persönlichen Gesprächen. Dabei erstaunt es uns, dass fast alle den Abbruch bedauern, obwohl der Bunker mit seinen Graffitis und dem drumherum liegenden Müll in letzter Zeit mehr ein Schandfleck war. Aber viele sahen seine Existenz als ein Mahnmal an die Schrecken des letzten Krieges.

Obwohl wir den Bunker beim Stadtteilfest 2006 ein ganzes Wochenende geöffnet hatten und er auch in Rundgänge einbezogen wurden, haben nur wenige eine Vorstellung davon, wie es im Inneren aussieht. Viele glauben, dass es auch unterirdische Räume gibt, was aber nicht der Fall ist. Wie der Bauplan zeigt, war der Schutzraum in zwei Hälften geteilt und hatte als Besonderheit acht Kammern, in denen jeweils sechs Holzpritschen an der Wand befestigt waren. Hier konnten sich Ältere oder Kinder auch hinlegen.



Unser Artikel im Hamburger Wochenblatt:

Er bot hunderten von Horner Bürgern in den Kriegsjahren Schutz und rettete ihr Leben. Gut 75 Jahre war er Mahnmal, dass sich so etwas nie wiederholen darf. Und obwohl es immer noch 16 Luftschutzbauten in Horn gibt, war er durch seine gut sichtbare Lage "der Bunker" für die Horner. Gemeint ist der Rundbunker am "Bauerberg" an der Ecke "Am Gojenboom". Nun ist sein "Aus" gekommen. Seit Dienstag, dem 5. Januar nagen die Hydraulikmeißel an seinen dicken Wänden, um Platz für ein Wohnhaus zu schaffen. "Damit wird das Abbruchunternehmen noch ein wenig zu tun haben!" prophezeit Gerd von Borstel von der Geschichtswerkstatt Horn. Sie hatten zur Horner 700-Jahr-Feier im Jahre 2006 den Bunker nach langer Zeit erstmals für die Bevölkerung zugänglich gemacht und dort die Ausstellung "(Über)Leben im Bunker" gezeigt. Für diesen Anlass hatten sie Kontakt zu Klaus Pinker vom Verein "Hamburger Unterwelten e.V." aufgenommen, der ein Datenblatt für diesen Bunker zusammengestellt hatte. Gerd von Borstel zitiert daraus: Der Bunker wurde 1940 beauftragt, im Februar 1941 begannen die Erdarbeiten. Erbaut wurde er durch den Festungspionierabschnitt Gruppe II/2, die sich über dem Eingang mit '4./F.B.B. 40' (4. Kompanie Festungs-Bau-Bataillon 40) verewigt haben. Da der Bunker im Gegensatz zu den übrigen splittersicheren Typen in Horn als "bombensicher" ausgeführt werden sollte, haben seine Wände entsprechende Abmessungen: Die Decke ist 1,40 m dick, die Außenwände 1,10 m. Der Bunker steht ebenerdig auf einer Bodenplatte, die eine Stärke von 1,20 m hat. Der Durchmesser des Bunkers betrug 14,40 m, die Höhe 4 m. Verarbeitet wurden 635 cbm Beton mit Kieselsteinen bis 3 cm Durchmesser und 20 t Eisen.



Als Besonderheit befindet sich im Inneren ein zweiter Mauerring, der in acht Kammern aufgeteilt ist. An deren Wänden befanden sich links und rechts Vorrichtungen, in die jeweils drei Holzpritschen eingehängt werden konnten. Damit ergaben sich 48 Liegeplätze für ältere Bürger oder Kinder. Laut Beschreibung standen darüber hinaus noch 27 Sitzplätze für Schutzsuchende zur Verfügung. Zeitzeugen berichteten aber, dass in den Bombennächten im Juli/August 1943 bis zu 150 Menschen hier Zuflucht suchten.
Zur Regelausstattung gehörten drei abgetrennte Toiletten, ein kleiner Kohleofen und eine Belüftungsanlage, die über Filter Frischluft von außen ansaugte und im Bunker über ein Rohrsystem verteilte. Der Eingangsbereich am Bauerberg bestand aus einer zweiteiligen Gasschleuse, die das Eindringen von Kampfgasen und Rauch verhindern sollte. Auch der Notausgang in Richtung Gojenboom war mit einer kleinen Gasschleuse gesichert. Von diesem Rundbunkertyp wurden in Hamburg 38 Stück errichtet - ca. 35 sind noch erhalten; in Harburg steht einer davon unter Denkmalschutz.

Nach dem Krieg wurden die verbliebenen Bunker weiterhin für einen möglichen kriegerischen Konflikt mit dem Ostblock vorgehalten. Erst durch die Veränderung der Bedrohungslage wurden die Zivilschutzbauten seit 2007 aus der Zweckbindungen entlassen. Bis dahin waren aber schon zivile Nutzungen möglich. So diente der Bunker am Bauerberg bereits in den 1960er Jahren als Lager und Verkaufsstelle für Teppiche und Bodenbelege. In den 1990er Jahren wurden Bunker vermehrt jungen Musikern und deren Bands überlassen, so auch dieser. Die Band nutzte allerdings nur eine Hälfte und dämmte Wände und Decke, damit der Raum nicht so hallte. Zwei der Kammern wurden zu einem Aufnahmeraum zusammengelegt, in dem Mischpult und Aufnahmegeräte standen. Da der Bunker aber über keine ständige Lüftung verfügte, griff die sich bildende Feuchtigkeit die elektrischen Geräte an. Daraufhin gab die Band den Probenraum Anfang der 2000er Jahre wieder auf. Seit 2006 war der Bunker dann im Rundgangprogramm der Geschichtswerkstatt eingebunden. Eigentlich war vor dem Abriss noch ein "Tag der offenen Bunkertür" geplant – Corona und der überraschende Beginn der Abbrucharbeiten verhinderten das leider. Nun plant das Stadtteilarchiv eine Ausstellung, die bei der nächstmöglichen Gelegenheit der Öffentlichkeit gezeigt werden soll.

In Horn gibt es noch 16 Luftschutzbauten, wovon aber der Großteil nicht zugänglich ist oder auf Privatgrundstücken liegt. Vom Typ "Bauerberg" gibt es keinen weiteren Bunker im Stadtteil.

Machen Sie mit den folgenden Bildern einen virtuellen Rundgang durch den Bunker.











Wie im Zeitungsartikel vermutet, hat das Abbruchunternehmen reichlich zu tun gehabt. Über längere Zeit wurde sogar mit zwei Maschinen gearbeitet, die sich mühsam in den, mit viel Eisengeflecht verbundenen, Beton bohrten. Nach 39 Arbeitstagen (8 Wochen) steht immer noch ein kleiner Rest der Außenmauer.



Dann muss noch die Bodenplatte entfernt werden, die bei einer Dicke von 1,20 Metern auch noch einmal für 184 Kubikmeter Beton sorgt. Allerdings war man in der Zeit nicht nur mit dem reinen Abbruch beschäftigt, sondern hat auch schon das Eisen vom Beton getrennt.

Wir suchen immer noch Zeitzeugen, die in den Horner Bunkern Schutz gesucht und gefunden haben.
Wenn Sie dazu gehören oder jemanden - vielleicht in der Familie - kennen, melden Sie sich bitte bei uns!
Telefon: 040 659 01 444, Mail: meine[ät]horner-geschichte.de   oder per Brief an: Gerd von Borstel, Pagenfelder Str. 20, 22111 Hamburg




Haben Sie auch noch alte Horn-Motive in Ihrem Fotoalbum oder Diakasten?
Dann melden Sie sich bitte telefonisch (040 659 01 444), per Brief (Gerd von Borstel, Pagenfelder Str. 20, 22111 Hamburg) oder Mail an: meine[ät]horner-geschichte.de.
Oder besuchen uns beim offenen Archiv im Stadtteilhaus Horner Freiheit - außer in der Sommerpause im Juli und August.
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Nächster geplanter Bildwechsel: Mai 2021

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