Bild des Monats - Geschichtswerkstatt Horn

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Bild des Monats

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und informieren Sie über Hintergründe und Details zum Bild.

Mai/Juni 2021
Rast- und Tankstelle Bundesautobahn "Horner Kreisel"



Archiv Kai-Uwe Wahl

Unser heutiges Bild des Monats bekamen wir aus dem Archiv unseres 2. Vorsitzenden, der es im Nachlass seines Großvaters fand. Die Aufnahme entstand wenige Meter hinter dem Horner Kreisel am Rande der Autobahn nach Lübeck/Berlin (damals A1, heute A24). Hier befanden sich über viele Jahre auf beiden Seiten Rastanlagen und Tankstellen! Bevor wir zu deren Geschichte kommen, erzählen wir zuerst die Story des Bildes:

Im Herbst 1961 kaufte der Großvater sich einen NSU Prinz III, damaliger Neupreis DM 3.986,00. Das war viel Geld, denn ein Arbeitnehmer verdiente Anfag der 1960er Jahre ca. 600 DM im Monat! Entsprechend stolz war man, diesen Wagen präsentieren zu können, was das Foto auch gut zum Ausdruck bringt. Es entstand bei einer der ersten Fahrten, die über die Lübecker Autobahn nach Reinbek ging. Der Motor hatte eine Leistung von 23 PS (19 kW), der für eine Höchstgeschwindigkeit von 111 km/h ausreichte. Man beachte die Blumenvase am Armaturenbrett, die auch in vielen Käfern damals einfach dazu gehörte. Der NSU Prinz III wurde von 1960 bis 1962 gebaut. Sein Nachfolger, der NSU Prinz 4, wurde im September 1961 auf der IAA in Frankfurt / Main gezeigt (Quelle: Wikipedia). Im Hintergrund kann man sehr gut die Dieselzapfsäule für LKWs und das Dach der Tank- und Rastanlage erkennen, deren Geschichte wir nun erzählen:

Dort, wo sich heute eine Grünfläche (stadtauswärts) und ein Betriebshof (stadteinwärts) befinden, lagen über viele Jahre zwei kleine Tankstellen mit "Raststätten". Diese kann man natürlich in keiner Weise mit Rastanlagen aus heutiger Zeit vergleichen. Wie ein historisches Foto in unserem Archiv aus den frühen 1950er Jahren zeigt, gab es gerade mal drei Zapfsäulen der Marke "Gasolin" an der Tankstelle auf der Nordseite (Abfahrt). Auf der Südseite (Auffahrt) wurde Benzin der Marke "Aral" getankt.
 
Bereits Ende der 1920er Jahre plante man zur Zeit der Weimarer Republik mehrspurige, ampel- und kreuzungsfreie Schnellstraßen. Die Nationalsozialisten verfolgten diese Pläne weiter und setzten sie in großem Rahmen um. Hierzu gehörten auch die Anfänge der heutigen Autobahn A 1.
 
Am 10. November 1933 wurde mit dem Bau dieser "Reichsautobahn" auf Horner Gebiet begonnen. Dafür musste das alte Gebäude des Baptisten-Seminars, Höhe heutiger Autobahnbrücke Rennbahnstraße, abgebrochen werden. Im 13. Mai 1937 wurde die Autobahn von Hamburg-Ost nach Lübeck dem Verkehr übergeben. Sie begann am "Horner Kreisel" und führte bis zur Anschlussstelle Lübeck-Zentrum. Der bis heute erhaltene Betonklotz – bis in die 1960er Jahre trug er immer noch die Aufschrift "REICHSAUTOBAHN" – wurde damals feierlich enthüllt.


Foto aus dem "Horner Anzeiger"

 
Bereits mit der Eröffnung gingen auch die beiden Tankstelle an der Auffahrt (Südseite) und der Abfahrt (Nordseite) unter der Regie der „Reichsautobahn-Kraftstoff GmbH“ in Betrieb. In einer Luftaufnahme von 1945 ist deutlich zu erkennen, dass sie durch den Krieg nicht zerstört wurden. Wer die Tankstellen nach dem Krieg bewirtschaftete und ob sie überhaupt sofort wieder den Betrieb aufnahmen, ist noch ungeklärt. Das Telefonbuch listet erst ab 1954 auf der Südseite den Deutschen Benzolvertrieb (später BV-Aral) und ab 1955 die Deutsche Gasolin Aktiengesellschaft als Tankstellenbetreiber auf der Nordseite auf. 1960 wechselte der Betreiber und die DEA übernahm die Südseite, was auf dem "Bild des Monats" zu erkennen ist. 1964 gibt die Gasolin die Pacht der Nord-Tankstellen auf – sie wird im Telefonbuch nicht mehr aufgelistet.
 
Dafür taucht 1965 erstmals Artur Kehding als Pächter der Autobahntankstelle im Adressbuch auf. Ab 1966 betreibt er beide Seiten, vermutlich als freie Tankstelle. Zuvor führt ihn das Telefonbuch als Kfz-Meister. Ab 1971 findet man den Eintrag für die Bundesautobahntankstellen Horn-Nord und –Süd nicht mehr im Telefonbuch. Bereits auf einer Grundkarte von 1973 und dann auf einer Luftaufnahme von 1975 erinnert nichts mehr daran, dass man hier noch schnell den leeren Tank auffüllen konnte und als Tramper problemlos eine Mitfahrgelegenheit fand. Heute erkennt man die Lage an der Auffahrt an einem breiten Grünstreifen ca. 220 Meter hinter dem Kreisverkehr, bzw. bei der Abfahrt an einem Betriebsgelände.


Luftaufnahme 2021 mit der damaligen Lage der Tank-/Rastanlagen

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Nächster geplanter Bildwechsel: Ende Juni 2021

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