Nahverkehr - Geschichtswerkstatt Horn

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Nahverkehr

Das alte Horn
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Schienengebundener Nahverkehr in Hamburg-Horn
Was nur wenige wissen: Als 1835 die ersten regelmäßig verkehrenden Pferdeomnibuslinien eröffnet wurden, bekam auch Horn am 27. Juli 1835 mit der "Journalière von Ham und Horn" eine Anbindung an die Innenstadt. Eigentümer war Johann August Jahns jun. (41), Wirt des  bekannten Horner Gasthofs "Neuer Schinkenkrug". Die Kutschen verkehrten zweimal täglich zwischen der Petrikirche und dem Letzten Heller. Das beliebte Ausflugslokal, bekannt auch durch seine alljährlichen "Blutegelbörsen", war nun noch attraktiver geworden, denn selbstverständlich besaß es jetzt auch eine eigene Haltestelle.

Neuer Schinkenkrug um 1889 mit Pferdestraßenbahn

Parallel zur Journalière betrieb die Firma "Basson & Co." seit dem 28. Juni 1840 eine Pferde- Omnibuslinie nach Horn. Somit gehörten wir neben Altona zu den beiden Vororten, in die man zu einem Preis von 4 Schilling "nach Fahrplan" fahren konnte.
In einem Zeitungsartikel aus dem Jahre 1839 heißt es:
... die ganze Tour, vom Altonaer Schauspielhause bis zum letzten Heller kostet somit jetzt nur 8 Schilling á Person, denn im Omnibus bis zum Berg 4 Schilling, dann mit der Journalière nach Horn 4 Schilling. Wer um 9 Uhr aus Altona fährt, kann um 10 Uhr die Journalière besteigen und um 11 Uhr in Horn seyn; zurück um 1 Uhr aus Horn, um 2 Uhr vom Schweinemarkt nach Altona u.s.w. Solche Bequemlichkeiten haben leider bis jetzt gefehlt und wünschen wir daher diesen Unternehmern recht viel Glück, damit diese schöne Einrichtung fortbestehe ..."
Wer heute diese Strecke vom Altonaer Theater zum Horner Brückenweg (an dessen Ecke das Lokal lag) zurücklegt, startet um 9 Uhr am Altonaer Bahnhof mit der S31, steigt Hauptbahnhof in die U2 und Rauhes Haus in den Bus 116 und ist 33 Minuten später am Ziel!

Nach den Pferdeomnibussen rollte dann vom 2. November 1880 an die Pferdebahn über Gleise ab Horn in Richtung Dornbusch (Nähe Rathausmarkt). Nachdem vierzehn Jahre später erstmalig die "Elektrische" den Betrieb in Hamburg aufnahm, wurde am 13.4.1896 auch die Strecke in der Horner Landstraße elektrifiziert. An der Streckenführung hatte sich seit 1839 aber nichts geändert - Endstation der Straßenbahnlinie 24 war immer noch das Lokal am Letzten Heller. Erst 1914 wurde die Strecke bis Billstedt verlängert.

Haltestelle Letzter Heller

Für viele Jahrzehnte gehörte die Straßenbahn fest zum Erscheinungsbild in Horn, nicht nur in der Horner Landstraße, sondern ab 1932 auch in der neuen Sievekingsallee mit der Linie 17. Diese endete zuerst auf Höhe der heutigen Hausnummer 209, wurde dann aber im November 1936 über die Kreuzung der Rennbahnstraße verlängert und erhielt nun eine Kehrschleife im Bereich des heutigen EKZ-Parkplatzes (heute Marktfläche).

Endhaltesstelle der Linien in der Sievekingsallee am heutigen U-Bahnhof Horner Rennbahn

Aus dem ehemaligen Pferdebahndepot gegenüber dem jetzigen Horner Park entstand eines der großen Straßenbahndepots in Hamburg. Vor dem 2. Weltkrieg bestand es aus drei Hallen mit insgesamt 16 Abstellgleisen für 59 Fahrzeuge. In den Bombennächten im Sommer 1943 wurde das Depot stark beschädigt und danach nur die rechte viergleisige Halle notdürftig wieder in Betrieb genommen. Auf den restlichen Gleisen standen die Fahrzeuge ohne Schutz.

Bahndepot Horner Landstraße (Foto: G. Menck)

Straßenbahnlinien kamen und gingen - wenn man sich heute mit alten Hornern über dies Thema unterhält, fallen viele Liniennummern:
In der Horner Landstraße fuhren in unterschiedlichen Epochen die 24, 22, 11, 13, 37, 31, 16, 12, 7 und 1; die Sievekingsallee wurde bedient von den Linien 17, 24, 2, 16, 5 und 15.
Wegen kriegsbedingter Schäden fuhr vom 25. 7. 1943 bis zum 24. 6. 1951 keine Straßenbahn in der Sievekingsallee.
1962-1967: Bau der neuen U-Bahn - hier die östliche Ausfahrt der Haltestelle Horner Rennbahn

Bereits vor dem zweiten Weltkrieg hatte man mit Planungen für eine U-Bahn-Anbindung von Horn und Billstedt begonnen. Beim Bau der neuen Arbeiterwohnungen im Bereich der Washingtonallee/ Sandkamp wurde daher schon damals die Fläche zwischen Hermannstal und Sandkampweg von der Bebauung ausgenommen. Aber die Horner mussten noch lange warten, bis die U-Bahn kam. 1962 wurde mit dem Bau ab Berliner Tor begonnen - am 02.01.1967 fand die feierliche Einweihung der Strecke Berliner Tor – Horner Rennbahn statt. Bereits im September des Jahres ging es dann weiter bis zur Legienstraße und am 28.9.69 erreichte die U3 endlich Billstedt.


13.9.1968 - Linie 1 kurz vor Betriebseinstellung an der Haltestelle "Bauerberg" (Foto: K. Scheffler)

Gleichzeitig mit Inbetriebnahme der U-Bahn begann der langsame Abschied von der Straßenbahn in Horn. Am 29.September 1968, mit Beginn des Winterfahrplanes, wurde die Linie 1 in der Horner Landstraße eingestellt. Schon ein Jahr zuvor - am 28. 5. 1967 - hatte man die Linie 7 aus Horn abgezogen. Schnell verschwanden die Gleise in der Horner Landstraße und auf dem Bahndepot wurden im straßennahen Bereich eine Tankstelle und eine Waschstraße errichtet. Die restliche Fläche diente lange Jahre als Busdepot. Ende 2018 wurde die - bereits für das Busdepot errichtete - Überdachung erweitert und seit April 2019 stehen nun im ehemaligen Pferdebahndepot die Elektrobusse des Shuttle-Service MOIA.

Zur Versorgung der Hammer und Horner auf dem Geestrücken fuhren die Linien 5 und 15 von der U-Bahn-Haltestelle Burgstraße kommend auf der Sievekingsallee nach der U3-Eröffnung noch weiter. Allerdings schlug auch für diese Strecke am 7. März 1976 - zwei Jahre vor dem hamburgweiten Aus für die Straßenbahn - das letzte Stündlein: Horn war "straßenbahnfrei".
Wer nun unseren Stadtteil mit den "Öffentlichen" erreichen wollte, war angewiesen auf Busse und U-Bahn.
 
Ausfahrt der Linie 5 aus der Endhaltestelle Horner Rennbahn (Foto: U. Klaus, ca. 1970)

Vorletztes Kapitel in der Geschichte des Öffentlichen Nahverkehrs in Horn ist die U-Bahnhaltestelle "Horner Rennbahn". Während Bahnhofsbauten auf der Ringstrecke seit der Eröffnung am 15.02.1912 unverändert stehen (z.B. Mundsburg, Baumwall, Rödingsmarkt), war dem Bahnhofsgebäude am Ausgang zum EKZ nur ein relativ kurzes Leben beschert. Denn 32 Jahre nach seiner Einweihung fiel es im Juli 1999 der Abrissbirne zum Opfer. An gleicher Stelle wurde dann im Dezember 2000 der futuristische Neubau mit integrierter Polizeiwache eingeweiht.

Die alte U-Bahn-Haltestelle 1999 kurz vor dem Abbruch (Foto: GW Horn)

Am Montag, 29. Juni 2009, müssen die Horner von "ihrer" gelben U3 Abschied nehmen. Fortan fährt hier die rote U2, denn die Hamburger Hochbahn tauscht die Linien U2 und U3. Die neue U2 führt von Niendorf Nord nach Mümmelmannsberg. Die neue U3  bedient auf der alten Ringlinie die Strecke von und nach Barmbek. Der Vorteil: Statt bisher 6 Waggons fahren nun in der Hauptverkehrszeit die modernen DT 4-Züge mit maximal 8 Waggons.
Ab Herbst 2012 halten erstmalig zwei U-Bahnlinien in der Haltestelle Horner Rennbahn, damals nahm die U4 ihren Betrieb zwischen Billstedt und der Hafencity auf.
Am 11. April 2012 fuhr erstmals der neue U-Bahnwagen DT5 bei seinen Testfahrten über die Strecke Berliner Tor - Mümmelmannsberg und zurück.
Dieser Wagentyp kommt u.a. auch auf der Linie U4 zum Einsatz kommen.

11.4.2012: DT5 bei seiner Testfahrt im Bahnhof Horner Rennbahn

Die Geschichte des Nahverkehrs wird weitergeschrieben. Im Frühjahr 2020 begannen die Vorbereitungen für die Verlängerung der U4 entlang der Manshardtstraße bis zur neuen Endhaltestelle "Horner Geest" an der Dannerallee. Nach Planungsstand Mai 2020 sollen im Jahr 2026 die ersten Züge die neue - 2,6 Kilometer lange - Strecke befahren und die ca. 13.000 Anwohner ohne Umsteigen in die Innenstadt oder zur Hafencity bringen.
Das Projekt war in der Bevölkerung umstritten, da durch die offene Bauweise für sechs Jahre eine erheblich Belastung für die Anwohner und den Durchgangsverkehr zu erwarten ist.

Der öffentliche Nahverkehr mit Buslinien ist leider nicht durchgängig dokumentiert und findet daher (vorerst) in diese geschichtlichen Abhandlung über den Nahverkehr im Stadtteil Horn keine Erwähnung.
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